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Leicht geschärfter VW Golf 6 GTI ED35

Leicht geschärfter VW Golf 6 GTI ED35

Foto: Thomas Werner/sport-cars.de

SPORTcars 16.02.2017 - Nachdem es in letzter Zeit etwas still um unsere Tuningaktivitäten war, starten wir nunmehr als Einstieg in 2017 neu durch. Nach Mini S Coupé, Ford Focus ST MK3 und Hyundai Tucson 1,6 Turbo steht dieses Mal ein gebrauchter VW Golf 6 GTI ED35 in unserer Redaktionsgarage. Warum ausgerechnet der ED35, fragt ihr euch? „Guter Basismotor“, laute unsere Antwort kurz und knapp. Obwohl wir uns bei der Suche nach einem passenden Fahrzeug Zeit gelassen haben, konnten wir uns leider nicht alle unsere Wünsche beim VW Golf 6 GTI ED35 erfüllen. Im Ruhrpott sagen wir: „hadder oder hadder nich", hier also die Auflistung von Soll und Haben in unserem Stil: Scheckheftgepflegt sollte er sein - isser. - Wenig Kilometer sollte er auf dem Tacho haben - hadder. - DSG sollte er haben - hadder nich. - Das große Navi sollte er haben - hadder nich, aber das kleine tut es auch. Im Grunde ist unser Basisfahrzeug trotz der Einschränkungen nahezu perfekt für unser Vorhaben ausgestattet. Bis auf das fehlende Direkt-Schaltgetriebe. Dazu aber später mehr.

Leicht geschärfter VW Golf 6 GTI ED35

Foto: Thomas Werner/sport-cars.de

Leicht geschärfter VW Golf 6 GTI ED35

Foto: Thomas Werner/sport-cars.de

Unser Plan beim Umbau des VW Golf 6 GTI ED35 war nicht, ein reines Track-Tool auf die Räder zu stellen, aber eben auch nicht einfach nur ein Showcar. Es sollte also irgendwie eine Art „Zwitter" zu einem halbwegs bezahlbaren Preis entstehen. Mit im Boot bei diesem Projekt war, wie auch schon bei vergangenen Projekten von SPORTcars, Kai-Uwe Ottlinghaus von „OK-Chiptuning", der sich um die Motorsteuerungs-Software kümmert. Weiter ist dieses Mal auch Tim Bruckschen, Inhaber von „413Motorsport" und Nordschleifen-Kenner, der sich der Belange unseres Fahrwerks annimmt, dabei. Ziel ist es, am Ende des Projekts die Motorleistung bei satten 320 bis 330 PS und das maximale Drehmoment bei ca. 480 Nm zu haben. Und was ganz wichtig ist - die Leistung muss auch sauber auf den Asphalt übertragen werden ...

Leicht geschärfter VW Golf 6 GTI ED35

Foto: Tim Bruckschen 413Motorsport

Fangen wir aber der Reihe nach an und starten beim Motor. Es gab ja in der Vergangenheit viele Diskussionen bezüglich der Steuerketten Problematik bei verschiedensten Motoren des Volkswagen-Konzerns. Und um das Thema von Vorhinein auszuschließen, haben wir uns bewusst für einen VW Golf 6 GTI ED35 entschieden. Der Motor hat keine Steuerkette, sondern einen Zahnriemen und wurde so 10.000 fach in die Motorräume von VW Golf ED30 (230 PS), VW Golf 6R (270 PS), Audi S3 (265 PS) und Audi TTS (272 PS) verbaut. Also eine gute Optimierungsbasis für relativ kleines Geld. Wie oben erwähnt, wollten wir mit der Motorleistung bei ca. 320 PS landen. Da unser Budget begrenzt war und wir somit nicht alle anstehenden Optimierungen gleichzeitig machen konnten, entschieden wir uns erst einmal dafür von Kai-Uwe Ottlinghaus von „OK-Chiptuning" eine gemäßigte Softwareversion auf das Steuergerät aufspielen zu lassen. Einfach nur um zu testen ob die Kupplung das erhöhte Drehmoment überhaupt wegsteckt. Natürlich kam es so, wie wir bereits im Vorfeld befürchtet hatten: die Kupplung rutschte. Ab ca. 420 Nm ging nichts mehr. Und das obwohl unser handgeschalteter "EDI" erst 25.000 km auf der Uhr hatte. Somit war erst einmal nicht an einem Prüfstandslauf zu denken. Die Kupplung des DSG hätte übrigens bis ca. 500Nm gehalten.

Leicht geschärfter VW Golf 6 GTI ED35

Foto: Tim Bruckschen 413Motorsport

Erst nachdem wir uns eine neue „Sachs Performance“ Kupplung (550+ Nm) besorgt und eingebaut hatten, konnte der erste Lauf auf dem Prüfstand starten. Die lediglich leicht überarbeitete Software sollte nach Aussage von Kai-Uwe erst einmal genügen, da wir, außer der neuen Kupplung, keine weiteren Anpassungen der Hardware vorgenommen hatten. Ergebnis nach dem ersten Run: 310 PS (Serie 235 PS) und ein maximales Drehmoment von 450 Nm (Serie 300 Nm). Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass wir noch mit der originalen Downpipe unterwegs sind. Somit stand also erst einmal fest, dass wir die Software so belassen bis weitere Umbauteile für den Antriebsstrang vor Ort sind. Aber eine neue „BULL-X“ Downpipe inklusive 200 Zellen-Sportkat haben wir noch über"413Motorsport" besorgt und eingebaut. So konnten dann weitere Tests auf dem Prüfstand von „OK-Chiptuning“ in Neukirchen-Vluyn durchgeführt werden. Nach dem finalen Lauf sah das Ergebnis erwartungsgemäß schon sehr gut aus: 335 PS (mit 102 Oktan-Kraftstoff) bei ca. 5500 U/min und ein maximales Drehmoment von 479 Nm sind eine klare Ansage.

Leicht geschärfter VW Golf 6 GTI ED35

Foto: Thomas Werner/sport-cars.de

Zum guten Abschluss wird die Leistungsoptimierung auf der Auspuffseite durch einen neuen Sportschalldämpfer aus dem Hause Remus abgerundet. Es gibt es auf dem Markt eine Vielzahl von Endschalldämpfern, die qualitativ und leistungsmäßig auf einem hohen Niveau angesiedelt sind. Für einen mussten wir uns halt entscheiden. Da das Auge bekanntlich mit isst, und weil wir die Carbon-Endrohre von Remus in 102 mm optisch lecker fanden, fiel die Wahl eben auf den Remus ESD. Abgesehen von der überzeugenden Optik ist der Sound jetzt auch noch top - Fahrerherz was willst du mehr?

Am Rande sei noch erwähnt, dass unser Golf den Zwischensprint von 100 auf 200 km/h jetzt in ca. 11,6 Sekunden (Serie ca. 18,5 sec.) absolviert. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 268 km/h (Werksangabe 248 km/h). Alles in allem sind wir mit den Fahrleistungen mehr als zufrieden. Und bevor einer fragt: „Was ist mit Null auf 100?“ hier schon direkt die Antwort vorweg: Keine Ahnung. Da man mit einem Frontkratzer die Kraft sowieso nicht vernünftig auf den Boden bekommt, lassen wir die Messung einfach aus. Deutlich unter 6 Sekunden dürfte der Golf es jetzt allemal schaffen (Serie 6,6 sec.).

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